Leebärte und eine Überraschung in Geitau

Nordwindtag! Also werden wir es heute mit Leebärten zu tun bekommen. Noch weiß ich nicht, wie ich zu diesem Phänomen stehe – aber das wird sich weisen.

Anschi und Jan fliegen mit dem Traunsteiner Duo, Olli mit einer LS4 der DASSU und ich mit meiner lieben XR. Olli ist als erster raus, dann Anschi mit Jan und gute 45 Minuten nach Olli geht es für mich los.

Der Schlepp geht Richtung Hochplatte/Geigelstein. Eine Ecke des Tales, die ich noch nicht so gut kenne. Unterhalb des Geigelstein, ca. 650 Meter über Platz, hebt mich ein Bart so sehr, dass ich aus dem Schlepp raus muss. So wollte ich den Tag nicht beginnen. Über Grat entspannt losfliegen hätte ich schöner gefunden. Aber nun… Mit 1,4 m/s im Durchschnitt geht es auf 1800 AMSL und ich fliege nach Westen Richtung Duo und LS4 ab.

Bei Praschberg suche ich dann schon in 1500 nach einem Bart und finde nichts. Erstes Indiz dafür, das Leebartthema nicht zu kennen. Mühsam krabbele ich wieder auf 1800, während der Duo von Westen angerauscht kommt und mich abholt. Jan fordert mich auf, näher vom Berg hin zu fliegen und schon steht da auch der Bart mit 1,6 m/s. In 2100 AMSL fliegen wir ab und queren zwischen Erl und Mühlgraben das Inntal.

Am „Großen Traithen“ nehmen wir den ersten Bart und fliegen danach die Grate gen Westen entlang. Am „Schinder“ dann hoch auf 2500 AMSL und weiter.

In 2400 queren wir den Achensee, machen westlich davon wieder Höhe und fliege weiter über die östliche Karwendel-Spitze, um dann am „Wörner“ zu Olli aufzuschließen.

Ab hier geht es erstmal zu dritt weiter. In ca. 2400 AMSL dann die Talquerung bei Mittenwald, über die Arnspitze an Leutasch vorbei und wieder Höhe machen.

Der Duo ist ständig höher als ich. Damit ist er zwar bestens für mich zu sehen, aber irgendwie zermürbt es auch ein wenig. Dazu kommen diese ruppigen, engen und teilweise sehr starken Leebärte. Damit komme ich überhaupt nicht gut zurecht. Das kostet alles eine Menge Kraft und ich frage mich, wie lange ich das so wohl durchhalte.

Olli und ich machen Höhe in dem Bart bei Leutasch, während der Duo einen Abstecher um zur Zugspitze macht.

Bei Ehrwald treffe ich wieder auf Jan und Anschi im Duo. Olli macht hinter uns noch Höhe. Wir queren das Tal bei Ehrwald Richtung Grubigstein. Ich bin 300 Meter tiefer also der Duo. Jetzt wäre ein Bart ganz schön. Der Bart kommt und es geht wieder aufwärts. Der weitere Plan ist, jetzt Kurs Richtung Süden zu nehmen.

Querab des Tschirgant versenke ich mich – Olli auch. Der Duo bleibt schön oben (800 Meter über uns). Jan und Anschi fliegen weiter ins Engadin. Olli und ich versuchen und auszugraben. Olli versucht es nordwestlich von Imst; ich am Tschirgant. Wir stützen uns jetzt auf die Landewiese bei Imst.

Um die Südspitze des Tschirgant finde ich den Bart – wie den ganzen Tag natürlich im Lee und bis auf 2800 AMSL gute 1000 Meter, um es dann südlich im Ötztal zu versuchen, ggf. über 3000 AMSL zu kommen. Auf der Westseite des Ötztals komme ich nicht mehr gut an den höchsten Punkt der Rippen und quere deshalb auf die Ostseite zum Wetterkreuz. Auch das wird nicht belohnt und ich bin wieder in 1800 AMSL.

Ich quere erneut das Tal zur Ostrippe des Simmering, wo ich am Rande der TMA LOWI 1 (außerhalb) aus 2250 AMSL komme und dann mit Speed unter der TMA auf die Inntal-Nordseite durchtauche und mich ab jetzt auf den Flugplatz Innsbruck stütze.

vorbei an der „Hohen Munde“

An einer Rippe des Hochplattig kann ich dann mit 1m/s wieder 800 Meter aufbauen und über die hohe Munde in die Ostseite des Leutaschtals Nordkurs auflege. Es geht jetzt auf jeden Fall zurück Richtung Unterwössen.

Talquerung bei Garmisch zum „Roten Kopf“

Ich passiere östlich Garmisch und fliege auf die schöne Wolke über dem „Roten Kopf“, die in knapp 6 Minuten 600 Höhenmeter bringt. Wenn es so weiter geht wird das ein entspannter Heimflug.

Im Westen fliege ich am Walchsee vorbei und im Flachland stehen Straßen mit Wolkenfetzen. Ich habe diese Leebärte heute so satt und nachdem ich querab Benediktbeuren den Bart auch nicht gut erwische, beschließe ich deshalb, den Heimflug im Flachland zu absolvieren.

Walchsee

Der erste Wolkenfetzen im Flachland geht nicht. Aber Richtung Königsdorf stehen noch zwei schöne Wolken. Diese bringen mich auch aus 1400 AMSL wieder aus 2000 und gut zurück auf Kurs Richtung Unterwössen.

Kurbeln querab Königsdorf

Bis hinter Greiling muss ich aber dann doch über 18 Kilometer fliegen, um den nächsten Bart zu finden. Ob das mit dem Flachland so eine gute Idee war, zweifele ich langsam an. Die Wolke dort bringt aber fast 2m/s Durchschnittsteigen und eine Gesamthöhe von 2150 AMSL. Nach Unterwössen sind Luftlinie aber immer noch gut 60 Kilometer und mit den vielen Mücken auf den Flächen brauche ich mindestens noch einen eher zwei dieser Bärte.

Wolke Richtung Greiling

Keiner der vor mir liegenden Wolkenfetzen tut noch etwas ordentliches und so gehe ich dann doch an die Nordflanken der Berge. Aber entweder bekomme ich es nicht mehr hin, da ist nichts Brauchbares oder ich komme einfach zu tief an.

Östlich des Schliersee probiere ich den Vorberg (Hügel), aber auch das wird nichts mehr. Ich falle auch hier dann unter den Grat und bin bei Stauden noch 350 Meter über Grund. Rechts am Berg steht zwar eine Wolke drüber, aber aufgrund der geringen Höhe werde ich in Geitau landen. Da hab ich wenigstens einen Flugplatz.

voraus der Wendelstein

Ich rufe rein und der ganze Anflug einschließlich Aufsetzpunkt (weißer Punkt auf der Windenstrecke) wird mir total gut erklärt, so dass die Landung super einfach wird.

An einem Seil mit Ende werde ich den restlichen Hang nach oben geschleppt und kann meinen Flieger schön abstellen und saubermachen. Super nette Menschen hier in Geitau. Martin, der mir den Anflug so wunderbar erklärt hat, kommt zu mir und mir dämmert, was Ondi mir bzgl. Livno, Geitau und dem LSC Schliersee erzählt hat und ich Frage Martin nach seinem Nachnamen. Und da trifft es mich wie ein Glockenschlag. Vor mir steht Martin Dinges.

Martin Dinges neben meiner Glasflügel 304

Seine beiden Bücher „Windsysteme und Thermik im Gebirge“ und „Die Entwicklung der Thermik im Gebirge“ habe ich mir vor wenigen Wochen gekauft und bin sie gerade am lesen. Jetzt steht der Autor lebensecht und lebensfroh vor mir. Wahnsinn!

https://www.lsc-schliersee.de/

Da soll nochmal einer sagen, es wäre ein Zufall gewesen, dass mein heutiger Flug so verlaufen ist. Das hat heute genau so sein sollen. Ich muss wahrscheinlich das einzige Mal in meinem Leben in Geitau landen und Martin ist auch noch da und sogar am Funk. Echt krass!

der Wendelstein, meine 304 und ich

Nachdem mein Flieger versorgt und meine Rückholer unterwegs sind, nimmt Martin mich mit ins Gasthaus „Rote Wand“, wo wir natürlich über Segelfliegen plaudern sitzen und ein wahnsinnig leckeres Abendessen genießen. Danke Martin für diese schöne, wenn auch kurze Zeit mit Dir.

traumhaft in Geitau

Mit meinem Rückholern Olli, Günther und Ecki kehre ich nochmal in die „rote Wand“ ein, ehe wir, rechtzeitig vor dem Tagesende meinen Flieger abrüsten und den langatmigen Heimweg antreten…. Danke auch an Euch für die tolle Hilfe.

Ja – das sollte der letzte Flug meines diesjährigen Aufenthaltes in Unterwössen gewesen sein. Es war trotz des eher schlechten Wetters eine außergewöhnlich schöne Zeit. Mit tollen Mitfliegern und sehr lehrreichen und kurzweiligen Theorie- und Analyseeinheiten mit Jan. Auch Dir Jan und meinen Mitstreitern einen herzlichen Dank für die schöne Zeit mit Euch. Und natürlich auch an das überragende Team der Deutschen Alpensegelflugschule.

https://www.dassu.de/

Gute Nacht Deutschland…..
Euer Jürgen

Wer noch mehr lesen möchte, der findet hier Berichte von diesem und den vorangegangenen Jahren: http://segelflugblog.sottung.de/

Überraschendes Zwischenhoch beschert uns einen Flachlandtag

Unerwartet kommen wir heute doch noch zum Fliegen. Also heißt es Morgens im Briefing „Flieger klar machen und im F-Schlepp aufbauen“.

Ins Flachland oder an die erste Bergkette soll es heute gehen. Sogar ein Flug bis zur Schwäbischen Alb hält Jan Morgens für möglich.

Kurz nach 12 Uhr geht es also im F-Schlepp zum Talausgang. Es ist ungewohnt, in dieser Richtung schon so früh das Tal zu verlassen. Querab Bernau gehe ich 800 Meter über Platz Unterwössen aus dem Schlepp, kurbele noch 200 Meter auf und fliege Richtung Bernau ab. Die Optik ins Flachland zeigt Wolken über Wolken.

Der Beginn des Fluges läuft zunächst auch recht gut. Über Samerberg geht es am Eingang des Inntals vorbei; ein guter Bart bei Westerndorf; geradeaus weiter über Rosenheim nach Nordwesten. Ich merke aber auch, dass es mir schwer fällt die Bärte zu finden und gut zu zentrieren. Irgendwie ist das Überangebot an Wolken verwirrend und wirkliche Wolkenstraßen bilde ich mir wohl eher ein als dass diese da sind.

Bei Kleinkarolinenfeld geht es dann sogar mal auf fast 1900 AMSL. Da dachte ich noch, es läuft. Aber Richtung Geretsried finde ich zwar eine brauchbare Linie, aber irgendwie keinen vernünftigen Bart und finde mich unter 1200 AMSL wieder. Jetzt muss ein Bart her.

Mühsam geht es in Bärten um 1 m/s wieder auf 1700 AMSL und weiter Richtung Starnberger See. Irgendwie scheint aber jetzt schon die Luft bei mir heute raus zu sein. An Wolfratshausen vorbei – gen Norden – wieder das gleiche Drama. Kein zwingender Bart und wieder nur 1200 AMSL.

Bei Hornstein nehme ich dann also auch erstmal die nur 0,9 m/s, um mit der Höhe Richtung Königsdorf einen besseren Bart zu suchen. Ich finde zwar nichts Besseres, aber erstmal etwas, was mir wieder 430 Meter bringt. Querab Königsdorf dann nochmal 370 Meter und ich bin zurück auf 1850 AMSL. Jetzt hab ich auch mal das legendäre Königsdorf von oben gesehen.

Ich orientiere mich jetzt Richtung Berge im Süden und gehe den Rückflug an.

Über Gaißach geht es Richtung Tegernsee.

Am Schliersee bleibe ich über den vorderen Bergausläufern und finde mich querab Rosenheim, am Eingang des Inntals wieder nur in 1200 AMSL und etwas weiter querab Thansau direkt am Inn nur noch auf 1120 AMSL. Ich schreie mich im Cockpit an und finde nun doch einen Bart mit durchschnittlichem Steigen von 1,2 m/s und steige geduldig um 444 Meter auf 1600 AMSL. Damit komme ich heim.

Südöstlich Rosenheim stolpere ich dann nochmal in 1,7 m/s mittleres Steigen. SO scheint das zu sein… wenn alles sicher ist, dann geht es auf einmal. Mit fast 1900 Meter kann ich also mehr als entspannt zum Achtaleingang.

Ich machen noch einen kleinen Abstecher am Schnappen vorbei über den Wössner See und Oberwössen, bevor es zur Landung zurück zum Platz geht.

Irgendwie war das heute nicht mein Tag. Mit Jan werde ich mir das später nochmal genau anschauen und herausarbeiten, was heute die „lesson learned“ gewesen ist.

Gute Nacht Deutschland
Jürgen

Erst Startabbruch – dann später spannender Flug

Heute ist richtig viel los am Start. Als ich kurz nach 8 Uhr zum F-Schlepp ziehe, sind schon weit über 10 Flugzeuge vor mir. Im Briefing um 9 Uhr teilen wir die Gruppen ein. Jan fliegt mit einem Teilnehmer im Duo und ich sollte der Zweite im Team sein.

Am Start wird es dann etwas hektisch, weil wir noch einen Doppelsitzer zwischen rein schieben und als ich dran bin, habe ich als Schleppflugzeug das UL. Es zieht an. Meine rechte Fläche fällt recht schnell ins Gras. Ich mache noch einen Versuch mit Quer- und Seitenruder links, klinke und finde mich aber schon 90 Grad gedreht im hohen Gras neben der Bahn. Wow! Was war das denn…….. Wir schieben den Flieger Richtung Hangar und ich mache erstmal alles sauber. Checke mit Stefan, ob etwas kaputt ist und wir stellen fest, dass außer einem Lackabplatzer an der Schnauze alles ok ist.

Ich mache erstmal Pause und werde in Ruhe die Situation mal nacharbeiten und dann ab 15 Uhr nach der Schlepppause nochmal starten. Die nächsten Tage wird es regnen und ich will nicht mit diesem Ereignis in die Regenpause.

Deutlich vor 15 Uhr ziehen schon die ersten Flieger zum F-Schlepp und in Null komma Nix bin ich Startposition vier, was mir mit nur einer Schleppmaschine den Start erst um 15:45 ermöglicht. In so weit habe ich keine sonderlich großen Ambitionen mehr für den Tag.

Am Rechenberg klinke ich 1100 Meter über Platz Von der Wolkenoptik sieht alles eigentlich recht gut aus. Es hat überregional scheint es Ostwind und irgendwie geht es nicht so gut, wie die Wolken es aussehen lassen. Ich fliege in 2000 AMSL ab und quasi direkt durch bis zur Steinplatte. Dort steige ich unter Grat in 1500 AMSL in einen Bart vor dem Steinplattengipfel ein und steige bis auf 2100 AMSL.

Weiter direkt Richtung Waller Berge. Dort steht eine richtig schöne Wolke, die aber irgendwie auch nicht so klasse geht, also fliege ich gleich weiter Richtung Asitzkogel.

Blick Richtung Asitzkogel

Dort komme ich aber leider unter Grat an (scheint heute wohl ein Thema zu werden), so dass ich das Glemmtal Richtung Maishofen unter Grad rausgleiten muss.

Saalfelden hatte ja gestern nicht gut geklappt und ich wollte nicht schon wieder in Zell am See stranden. Daher fliege ich gleich auf die Ostseite des Tales in die Sonne, um zügig zum Honigkogel zu kommen.

rechts der See bei Zell am See

Diesen erreiche ich auch in 1300 AMSL und steige in versetzten Bärten bis auf 2200 AMSL bevor ich das Tal Richtung Schmittenhöhe quere.

Ich überfliege die Gräte, die gestern im F-Schlepp so sensationelle Steigwerte geliefert hat. Nur heute passiert hier überhaupt nichts Sensationelles. Bis zum Gipfel der Schmittenhöhe kostet mich die Querung 200 Meter. Die Schmittenhöhe selbst hat ja schon 1960 Meter. Ich versuche, so gut es geht, über dem Grat zu bleiben, muss die Gratlinie aber schon bald verlassen und wieder am Hang fliegen.

Da bei Saalfelden vielversprechende Wolken stehen, fliege ich nach Norden. Aber nichts geht. Am „Sausteigen“ vorbei, der heute seinem Namen alles andere als Ehre macht fliege ich bis zum Eckpfeiler Richtung Leoganger vor. Aber auch hier einfach nichts. Irgendwie kapiere ich den Tag heute nicht.

hinter der Sausteigen; Wende zurück zum Honigkogel

So kommt es, dass ich, diesmal aber über die Westseite des Tales, wieder den Honigkogel suche.

Dieses mal muss ich aber fast 150 Meter tiefer einsteigen.

Einstieg am Honigkogel in 1300 AMSL

Über den Eckgrat des Honigkogel kurbele ich erst auf 1700 AMSL…

Honigkogel 1700 AMSL

… etwas zum Gipfel versetzt auf 2200 AMSL…

Honigkogel 2200 AMSL

… und über dem Gipfel dann bis auf 2800…

Honigkogel in 2800 AMSL

… ehe ich Richtung Westen weiterfliege.

Diesmal brauche ich die Schmittenhöhe definitiv nicht und fliege den Pinzgau auf dem nördlichen Grat 42 Kilometer gen Westen.

Pinzgau – Kurs nach Westen

Am Pass Thurn auch kein Bart – also weiter.

Überflug Pass Thurn in 1750 AMSL

Vom Pass Thurn bis querab des Staffkogel trägt der östliche Talgrad und ich kann auf 8 Kilometer sogar etwas Höhe gewinnen. Ich bin jetzt auf 1800 AMSL runter und es war kein brauchbarer Bart zu finden.

Blick auf den wilden Kaiser aus Süden

Also drehe ich mal Sankt Johann ins Funkgerät und höre dort mal rein. Sollte nichts mehr kommen, muss ich eben dort rein. Aber schaun wir mal. Leider gibt es ab hier erstmal keine Bilder, da meine Kamera abgeschaltet hatte und nur noch beim Fliegen mit meiner Aufmerksamkeit war.

Nördlich des Kitzbühler Horns komme ich im Gleitbereich des Flugplatzes auf 1100 AMSL an. Vom Honigkogel bis hierher kein vernünftiger Bart und 1700 Meter auf etwas 60 Kilometer Gleitstrecke verbraucht.

Von Sankt Johann scheint der Talwind gegen das Kitzbühler Horn zu prallen und es kommen hier immerhin 0,5 m/s raus. Jan meint, ich brauche 1600 AMSL, um heim zu kommen. Also heißt das etwas eine viertel Stunden kurbeln oder hoffen, dass der Bart nach oben besser wird. Der Talwind versetzt wirklich heftig und muss immer wieder vorfliegen. Auf 1250 angekommen versuche ich eine andere Gräte, die von Osten das Kitzbühler Horn hochläuft Seit 18 Minuten mache ich hier schon rum und hab grad mal 150 Meter dazugewonnen. Die neue Gräte bringt in 9 Minuten weitere 190 Meter. Damit quere ich das Tag auf die Ostseite des Flugplatzes, wo die Sonne drauf steht. Es kommt nochmal ein 0,3 m/s-Bart in der Talmitte, der mich auf 1450 AMSL bringt. Immer noch 150 Meter, die fehlen.

Jan meldet sich im Funk, dass er mit dem Duo die Westseite der Täler antestet, weil er meint, dass der Ostwind dort ggf. Steigen begünstigt. Ich verstehe ihn falsch und entscheide mich daher, über Erpfendorf in das Tal nach Reit im Winkl einzufliegen, solange ich noch den Flugplatz in Sankt Johann erreichen kann.

Bei Erpfendorf fliege ich also in 1230 Meter auf die Ostseite und quasi die in der Sonne stehende Westflanke des Fellhorns bis zum Ende ab. Ich gleite nahe am Hang langsam in der Sonne 10 Kilometer bis kurz vor Reit im Winkl und gewinne dabei über 100 Meter Höhe dazu. Damit ist Unterwössen ein absolut sicherer Endanflug geworden.

Einflug ins Tal über Oberwössen

Über Oberwössen und den Wössner See fliege ich ins Achtal ein und gleite noch bis über den Schnappen hinaus an den Taleingang.

Ich gleite vom Taleingang dann in den Gegenanflug und muss dort sogar noch zwei Kreise an der Position drehen, um meine überschüssige Höhe abzubauen.

Höhen abfliegen an der Position

Wer hätte geglaubt, dass dieser Tag noch mit einem solch tollen Flugerlebnis enden würde. (Jan hat mit dem Duo übrigens auf der anderen Talseite auf der gleichen Strecke fast 250 Meter verloren. Wie gut, dass ich ihn missverstanden habe)

zu Hause

So spät bin ich bisher noch nie nach Unterwössen zurückgekommen. Das lässt für künftige Flüge, neue Möglichkeiten aufblitzen.

Gute Nacht Deutschland
Jürgen

Leider nur noch ein Flugtag nach dem Lehrgang

Heute geht es außerhalb des Lehrgangs nach oben. Der Plan ist nach Westen die erste Wende wieder in Kitzingen zu machen, um dann nach Aalen auf die Alb zu fliegen.
Franky und ich werden als Erste geschleppt. Ich klinke 700 Meter über dem Platz und finde zwischen Ebermannstadt und Forchheim den ersten Bart (1,7 m/s). Dort treffe ich auch Frankys LS3 und wir fliegen gemeinsam Richtung Kitzingen in 1400 Meter AMSL ab.
Hinter Hallerndort kreist die LS3 ein. Bis ich es bemerke und auch drin bin, ist mein Partner schon 150 Meter als ich. Beim Abflug sind es nur noch knapp 100 Meter. Im nächsten Bart kann ich den Höhenunterschied etwas wett machen, da ich beim Vorfliegen weniger Höhe verbraucht habe.


Da wir recht nah am Luftraum Nürnberg sind, geht es weiter Richtung Nordwest. Das gemeinsame Vorfliegen klappt bisher ganz gut. Doch ich treffe den nächsten Bart nicht so gut wie die LS3 und schon sind wir auseinander. So haben wir beim nächsten Kurbeln bei Gleißenberg beim Barteinstieg schon 200 Meter Höhenunterschied. Bis ich richtig zentriert habe, ist die LS3 weg und ich mache alleine weiter.
Ich fliege meiner Wolkenstrasse nach und finde aber keinen guten Bart mehr. Zwischen Nenzenheim und Reusch steht eine schöne Wolke. Da muss etwas gehen. Sonne steht auf dem Hang. Der Wind passt eigentlich auch. Ich komme aber recht tief dort an und finde nicht gleich einen Bart. So bleibt nur noch der UL-Platz Ippesheim, auf dem ich leider landen muss. Grmmpf!

bereit für die Schleppmaschine


Gestrandet in Ippesheim

Ich versuche über die umliegenden Vereine eine Schleppmaschine zu bekommen, aber vergebens. Der Platz ist kurz und ich komme eh nur mit einem UL hier raus, also frage ich auf Burg Feuerstein an. Die netten Menschen von dort schicken die C42 und so geht es kurz nach 15 Uhr wieder in die Luft. Immerhin ist noch einiges an Tag über.
Wir kommen gut aus dem Platz raus und bei Herbolzheim werde ich 700 Meter über Grund in einem 1.8 m/s-Bart abgesetzt, der mich bis auf 1800 AMSL bringt. Neues Spiel – neues Glück!

Wieder im Spiel

An Bad Windsheim vorbei, geht es zum nächsten Bart (2,3 m/s) quer ab Rothenburg ob der Tauber und weiter Richtung ab. Es läuft alles wunderbar. Tolle Straßen, starke Bärte, viel Verkehr und schnelles Vorankommen. Über Dinkelsbühl geht es Kurs Bopfingen zur Albkante, wo ich nochmal auf über 2000 Meter hochmache und dann zur Wende an der Autobahnausfahrt der A7 bei Ebnat nordwestlich des Flugplatzes Aalen-Elchingen.


Der Heimweg führt so dann wieder über Dinkelsbühl (größte Tageshöhe von 2350 AMSL), Bad Windsheim bis Haag, wo ich auf Endanflughöhe kurbele und die fast 60 Kilometer mit durchschnittlichen 160 km/h nach Ebermannstadt heimfliege und nach nicht ganz 3 Stunden lande ich trotz des kleinen Ausrutschers glücklich, mit meiner bisher besten Durchschnittsgeschwindigkeit von 93 km/h und fast 250 Kilometern.


Schade, dass die weitere Wetterprognose so bescheiden ist und das wohl mein letzter Flugtag dieses Jahr auf Burg Feuerstein war.
Bis zum nächsten Flug – Jürgen

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